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E1 Rennen, Heubach, BRD

 

Elite

Ergebnisse Herren 30,4 Kilometer

1. Jochen Käß (Team T-Mobile) 1:39:59
2. Marc Hanisch (SRM Powerteam) 1:40:24
3. Stefan Sahm (Team T-Mobile) 1:40:45
4. Karl Platt (Rocky Mountain) 1:41:26
5. Christoph Soukup (Hi-tec) 1:41:39
6. Moritz Milatz (Merida - OnTour Pro) 1:41:47
7. Wolfram Kurschat (S-Tec) 1:42:18
8. Ralph Näf (Multivan Merida) 1:43:26
9. Johannes Sickmüller (Stevens-Jeantex) 1:43:56
10. Frank Lehmann (Rothaus-Cube) 1:44:47

 
(03.05.04/kg) Als Wolfram Kurschat vom Start weg den Berg hinauf attackierte, schien sich ein zweites Heubach-Desaster für T-Mobile anzukündigen. Aber Jochen Käß hatte strikt etwas dagegen. Letztes Jahr überraschte Pharmazie-Student Kurschat (S-Tec), der quasi wie Phönix aus der Asche kam, mit einem beherzten Solosieg die Magenta-Truppe. Damals hatte T-Mobile schon den Bundesliga-Auftakt in Münsingen an Peter Riis Andersen »verloren«. Dann zusätzlich den zweiten Bundesliga-Lauf einem hauptberuflichen Studenten wie Kurschat überlassen zu müssen, tat besonders weh. Dieses Jahr versuchte »Wolfman« es wieder, und die T-Mobilen waren noch dazu geschwächt: Lado Fumic kränkelt, hat – wohl etwas zu spät – Antibiotika genommen und stieg (so die offizielle Version) wegen eines Umwerferdefekts in der zweiten Runde aus; Manuel Fumic hat die Niedersachsen-Rundfahrt in den Beinen, so dass seine Kurschat-Hatz schon bald im Ansatz stecken blieb. Aber T-Mobile war dieses Jahr gewarnt und hat ja auch noch Jochen Käß und Stefan Sahm als Siegfahrer zu bieten. Zwei Runden überdauerte Kurschats glanzvolle Attacke, er schien auch schon gehörig Boden gut zu machen. Beim dritten Bergaufritt klebte aber schon hartnäckig Jochen Käß an seinem Hinterrad, und in der Abfahrt waren die Verhältnisse plötzlich umgekehrt: Käß kam mit deutlichem Vorsprung herunter. Der Münsingen-Sieger ließ von da ab keinen Zweifel mehr daran aufkommen, wer die letztjährige Schmach von Heubach rächen würde. Zu diesem Zeitpunkt war das Rennen schon vorbei für Lado Fumic – und auch für »Mister Bundesliga« Carsten Bresser (Ralph Denk Racing). Von Lado Fumic hatte Bresser kurzfristig die vierte Position übernommen, aber schon in der zweiten Abfahrt war seine Kette so verdreht und verkanntet, dass er die Kurbel nicht mehr bewegen konnte. Der Schweizer Europameister Ralph Näf wiederum, nach Manuel Fumics Kurzversuch zunächst der eifrigste Kurschat-Verfolger, verkraftete den Anstieg nicht (»Ich habe gewusst, dass ich hier entweder gewinne oder gar nichts erreiche – beim ersten Mal ging es problemlos gut bergauf, beim zweiten Mal ging es gar nicht mehr«) und fiel sechs Plätze zurück. So reduzierte sich das direkte Verfolgerfeld auf drei Protagonisten: den Österreicher Christoph Soukup, SRM Powerteam-Chef Marc Hanisch und den bärenstarken Moritz Milatz (Merida – On Tour Pro). Rotzfrech hatte Milatz schon an einer Engstelle beim ersten Bergaufritt gegen Drängler, die ihn aus der Spur und vom Rad schubsten, eine Retourkutsche gefahren, und diesem jungen Top-Talent im weiteren Rennverlauf zuzusehen, wie er unablässig und völlig respektlos die »Großen« unter Druck setzte, war eine helle Freude. Karl Platt (Rocky Mountain) und Stefan Sahm hinkten in dieser Phase (3. bis 6. Runde) noch etwas hinterher. Die entscheidende Wende – im Kampf um die Plätze hinter dem souverän führenden Jochen Käß – nahm das Rennen auf halber Höhe bergauf in der sechsten Runde. Stefan Sahm hatte seine Beine wach bekommen und schnappte sich zusammen mit dem Verfolgertrio Soukup, Hanisch und Milatz kurz vor dem engen Singletrail-Steilstück Wolfram Kurschat, der bis dahin erbittert Widerstand geleistet hatte. Marc Hanisch nutzte diese Gelegenheit gleich für eine Attacke, die Sahm, der noch am hintere Ende der Gruppe hing, zu spät wahrnahm. Vorne legte Jochen Käß nochmals einen Zahn zu, als Marc Hanisch sich zum Schluss mit unbewegter Miene anschickte, ihm eventuell noch den Sieg streitig zu machen. Hinter Hanisch lagen zwei Dutzend Sekunden als Polster, die Stefan Sahm in den verbleibenden zwei Runden nicht mehr tilgen konnte. Milatz und Soukup beharkten sich derweil fröhlich weiter. Doch von hinten kam in der letzten Runde plötzlich Karl Platt mit dem Afterburner heran und strafte die beiden gründlich ab: »Es ging gut, ich bin konstant auf dem Gas geblieben, und zuletzt habe ich noch gehörig aufdrehen können. Das ist den beiden zum Verhängnis geworden.« Platt wurde noch Vierter vor Soukup (5.) und Milatz (6.). Nicht genug Respekt zollen kann man dem »Hobbyfahrer« Wolfram Kurschat, der einen bravourösen Kampf geliefert hat und mit seinem siebten Platz durchaus wieder bewiesen hat, dass er selbst ohne opulentes Trainingsaufkommen in der deutschen Spitze mitfahren kann – ein bewundernswerter Kerl ist das. Man darf richtig gespannt sein, wie er sich bei der Deutschen Meisterschaft am kommenden Wochenende schlagen wird. Noch zwei Fahrer sind bei diesem dramatischen Rennen über sich hinaus gewachsen. Johannes Sickmüller (Stevens-Jeantex), der Flachländler aus dem Hohen Norden, ließ sich von der Ostalb und ihren Höhenmetern nicht beeindrucken und kurbelte sich mit strammer Kette hinter Ralph Näf auf den neunten Platz nach vorne. Seinem Teamcaptain Jens Schwedler blieb da nur das Nachsehen. Und mit Frank Lehmann von Rothaus-Cube lieferte ein weiterer junger Fahrer eine blitzsaubere Visitenkarte ab: ein starker zehnter Platz für ihn, der damit vor einem Olympiakandidaten wie Peter Riis Andersen (Team Alb-Gold) das vor Zuschauern überquellende Ziel in Heubach erreichte. Bis auf wenige Schlammpfützen in den dunkleren Ecken des herrlichen Laubwaldes um Heubach waren die Elite-Herren auf einer trockenen Strecke unterwegs, obwohl es am Samstag heftig geregnet hatte. Auch die Damen hatten zwei Stunden zuvor schon eine gut befahrbare Strecke vorgefunden. Die B/C-Fahrer hingegen, die um acht Uhr morgens an den Start mussten, kamen nicht persilrein ins Ziel. In ihrer Klasse war – wie schon letztes Jahr – der Masters-Vizeweltmeister und Deutsche Meister Joachim Öchsner (Ghost) das unerreichte Maß aller Dinge: »In den Abfahrten musste man schon aufpassen, da war es ziemlich rutschig, und bergauf musste man ein- bis zweimal schieben, aber sonst war schon alles gut fahrbar.«
Quelle: www.bikesportsnews.de
 
 

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