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E1
Rennen, Heubach, BRD
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Elite |
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(03.05.04/kg) Als Wolfram Kurschat vom Start weg den Berg
hinauf attackierte, schien sich ein zweites Heubach-Desaster für T-Mobile
anzukündigen. Aber Jochen Käß hatte strikt etwas dagegen. Letztes Jahr
überraschte Pharmazie-Student Kurschat (S-Tec), der quasi wie Phönix aus
der Asche kam, mit einem beherzten Solosieg die Magenta-Truppe. Damals
hatte T-Mobile schon den Bundesliga-Auftakt in Münsingen an Peter Riis
Andersen »verloren«. Dann zusätzlich den zweiten Bundesliga-Lauf einem
hauptberuflichen Studenten wie Kurschat überlassen zu müssen, tat besonders
weh. Dieses Jahr versuchte »Wolfman« es wieder, und die T-Mobilen waren
noch dazu geschwächt: Lado Fumic kränkelt, hat – wohl etwas zu spät –
Antibiotika genommen und stieg (so die offizielle Version) wegen eines
Umwerferdefekts in der zweiten Runde aus; Manuel Fumic hat die Niedersachsen-Rundfahrt
in den Beinen, so dass seine Kurschat-Hatz schon bald im Ansatz stecken
blieb. Aber T-Mobile war dieses Jahr gewarnt und hat ja auch noch Jochen
Käß und Stefan Sahm als Siegfahrer zu bieten. Zwei Runden überdauerte
Kurschats glanzvolle Attacke, er schien auch schon gehörig Boden gut zu
machen. Beim dritten Bergaufritt klebte aber schon hartnäckig Jochen Käß
an seinem Hinterrad, und in der Abfahrt waren die Verhältnisse plötzlich
umgekehrt: Käß kam mit deutlichem Vorsprung herunter. Der Münsingen-Sieger
ließ von da ab keinen Zweifel mehr daran aufkommen, wer die letztjährige
Schmach von Heubach rächen würde. Zu diesem Zeitpunkt war das Rennen schon
vorbei für Lado Fumic – und auch für »Mister Bundesliga« Carsten Bresser
(Ralph Denk Racing). Von Lado Fumic hatte Bresser kurzfristig die vierte
Position übernommen, aber schon in der zweiten Abfahrt war seine Kette
so verdreht und verkanntet, dass er die Kurbel nicht mehr bewegen konnte.
Der Schweizer Europameister Ralph Näf wiederum, nach Manuel Fumics Kurzversuch
zunächst der eifrigste Kurschat-Verfolger, verkraftete den Anstieg nicht
(»Ich habe gewusst, dass ich hier entweder gewinne oder gar nichts erreiche
– beim ersten Mal ging es problemlos gut bergauf, beim zweiten Mal ging
es gar nicht mehr«) und fiel sechs Plätze zurück. So reduzierte sich das
direkte Verfolgerfeld auf drei Protagonisten: den Österreicher Christoph
Soukup, SRM Powerteam-Chef Marc Hanisch und den bärenstarken Moritz Milatz
(Merida – On Tour Pro). Rotzfrech hatte Milatz schon an einer Engstelle
beim ersten Bergaufritt gegen Drängler, die ihn aus der Spur und vom Rad
schubsten, eine Retourkutsche gefahren, und diesem jungen Top-Talent im
weiteren Rennverlauf zuzusehen, wie er unablässig und völlig respektlos
die »Großen« unter Druck setzte, war eine helle Freude. Karl Platt (Rocky
Mountain) und Stefan Sahm hinkten in dieser Phase (3. bis 6. Runde) noch
etwas hinterher. Die entscheidende Wende – im Kampf um die Plätze hinter
dem souverän führenden Jochen Käß – nahm das Rennen auf halber Höhe bergauf
in der sechsten Runde. Stefan Sahm hatte seine Beine wach bekommen und
schnappte sich zusammen mit dem Verfolgertrio Soukup, Hanisch und Milatz
kurz vor dem engen Singletrail-Steilstück Wolfram Kurschat, der bis dahin
erbittert Widerstand geleistet hatte. Marc Hanisch nutzte diese Gelegenheit
gleich für eine Attacke, die Sahm, der noch am hintere Ende der Gruppe
hing, zu spät wahrnahm. Vorne legte Jochen Käß nochmals einen Zahn zu,
als Marc Hanisch sich zum Schluss mit unbewegter Miene anschickte, ihm
eventuell noch den Sieg streitig zu machen. Hinter Hanisch lagen zwei
Dutzend Sekunden als Polster, die Stefan Sahm in den verbleibenden zwei
Runden nicht mehr tilgen konnte. Milatz und Soukup beharkten sich derweil
fröhlich weiter. Doch von hinten kam in der letzten Runde plötzlich Karl
Platt mit dem Afterburner heran und strafte die beiden gründlich ab: »Es
ging gut, ich bin konstant auf dem Gas geblieben, und zuletzt habe ich
noch gehörig aufdrehen können. Das ist den beiden zum Verhängnis geworden.«
Platt wurde noch Vierter vor Soukup (5.) und Milatz (6.). Nicht genug
Respekt zollen kann man dem »Hobbyfahrer« Wolfram Kurschat, der einen
bravourösen Kampf geliefert hat und mit seinem siebten Platz durchaus
wieder bewiesen hat, dass er selbst ohne opulentes Trainingsaufkommen
in der deutschen Spitze mitfahren kann – ein bewundernswerter Kerl ist
das. Man darf richtig gespannt sein, wie er sich bei der Deutschen Meisterschaft
am kommenden Wochenende schlagen wird. Noch zwei Fahrer sind bei diesem
dramatischen Rennen über sich hinaus gewachsen. Johannes Sickmüller (Stevens-Jeantex),
der Flachländler aus dem Hohen Norden, ließ sich von der Ostalb und ihren
Höhenmetern nicht beeindrucken und kurbelte sich mit strammer Kette hinter
Ralph Näf auf den neunten Platz nach vorne. Seinem Teamcaptain Jens Schwedler
blieb da nur das Nachsehen. Und mit Frank Lehmann von Rothaus-Cube lieferte
ein weiterer junger Fahrer eine blitzsaubere Visitenkarte ab: ein starker
zehnter Platz für ihn, der damit vor einem Olympiakandidaten wie Peter
Riis Andersen (Team Alb-Gold) das vor Zuschauern überquellende Ziel in
Heubach erreichte. Bis auf wenige Schlammpfützen in den dunkleren Ecken
des herrlichen Laubwaldes um Heubach waren die Elite-Herren auf einer
trockenen Strecke unterwegs, obwohl es am Samstag heftig geregnet hatte.
Auch die Damen hatten zwei Stunden zuvor schon eine gut befahrbare Strecke
vorgefunden. Die B/C-Fahrer hingegen, die um acht Uhr morgens an den Start
mussten, kamen nicht persilrein ins Ziel. In ihrer Klasse war – wie schon
letztes Jahr – der Masters-Vizeweltmeister und Deutsche Meister Joachim
Öchsner (Ghost) das unerreichte Maß aller Dinge: »In den Abfahrten musste
man schon aufpassen, da war es ziemlich rutschig, und bergauf musste man
ein- bis zweimal schieben, aber sonst war schon alles gut fahrbar.«
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